"Die deutsche Wirtschaft atmet auf"
Unternehmen in Deutschland blicken lange Zeit mit einem pessimistischen Blick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen. Doch inzwischen hellt sich die Stimmung auf. Dabei spielt besonders das Multi-Milliarden-Fiskalpaket eine Rolle.
Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen hat sich im März spürbar gebessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 86,7 Punkte von 85,3 Zählern im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Ökonomen hatten mit diesem Anstieg gerechnet. Die Unternehmen zeigten sich zufriedener mit der aktuellen Lage. Die Erwartungen stiegen merklich. "Die deutsche Wirtschaft hofft auf Besserung", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.
Im verarbeitenden Gewerbe stieg der Index deutlich. Insbesondere die skeptischen Stimmen bei den Erwartungen wurden merklich weniger. Die Unternehmen beurteilten zudem ihre aktuelle Lage besser. Der Auftragsbestand war hingegen leicht rückläufig.
Im Dienstleistungssektor verbesserte sich das Geschäftsklima. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage etwas positiver. Zudem hellten sich die Erwartungen spürbar auf. Insbesondere bei Architektur- und Ingenieurbüros keimte wieder vermehrt Hoffnung auf.
Der Ökonom Klaus Borger von KfW Research sieht das Sondervermögen als möglichen "Gamechanger". "Die Unternehmen setzen neue Hoffnung in die kommende Regierung und die mit der Änderung des Grundgesetzes beabsichtigte umfassende Modernisierung des Landes. Die Reform der Schuldenbremse und das neue Sondervermögen Infrastruktur können zu einem Gamechanger für Deutschland werden", so Borger. "Damit die Wachstumswende gelingt, braucht es allerdings mehr als einen staatlichen Kreditturbo. Um die zusätzlichen PS effektiv auf die Straße zu bringen, sind unter anderem Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren, der Abbau angebotsseitiger Engpässe etwa aufgrund fehlender Fachkräfte und – besonders bei der Entwicklung und Beschaffung von Rüstungsgütern – die Zusammenarbeit in Europa essenziell."
Handel weniger pessimistisch
"Die deutlich verbesserten Geschäftserwartungen spiegeln offenbar die Hoffnung vieler Unternehmen wider, dass das Finanzpaket der künftigen Regierung die Konjunktur anschieben wird", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Tatsächlich sei das Paket so groß, dass etwas davon bei der Konjunktur ankommen werde. "Die deutsche Wirtschaft atmet auf", so der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.
Im Handel stieg der Index erneut. Insbesondere fielen die Erwartungen der Händler weniger pessimistisch aus. Die Unternehmen bewerteten ihre laufenden Geschäfte als etwas besser. Auch im Bauhauptgewerbe hellte sich das Geschäftsklima auf. Die Firmen beurteilten ihre aktuelle Lage etwas positiver. Die Erwartungen bleiben trotz einer Verbesserung von starker Skepsis geprägt. Nach wie vor bleibt der Auftragsmangel die größte Herausforderung für die Bauwirtschaft.
Das jüngst beschlossene milliardenschwere Fiskalpaket gilt auch als wichtiges Signal an die Finanzmärkte, dass Deutschland viel Geld in die Hand nimmt, um sich im Hinblick auf Verteidigung und Infrastruktur für die Zukunft zu rüsten. Die Aussicht auf diese massiven Investitionen hat die Konjunkturerwartungen der Anleger befeuert. Zudem lässt die vom Finanzdienstleister S&P Global erhobene Unternehmensumfrage darauf schließen, dass sich die Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren gefangen hat und im März den dritten Monat in Folge gewachsen sein dürfte.
Das Ifo-Institut hat in seiner jüngst aktualisierten Konjunkturprognose allerdings nur ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent für 2025 auf dem Radar. Erst 2026 dürfte sich demnach die Lage mit einem erwarteten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent etwas verbessern. Allerdings könnten Strafzölle der USA unter Präsident Donald Trump auf Importe aus Europa Exporteuropameister Deutschland spürbar treffen und das Wirtschaftswachstum bremsen.